Dressmaker

Veröffentlicht am 3. November 2026 um 16:00

Zuckersüße Kleider und die Nähmaschine des Teufels

Dressmaker ist wunderschön, bietet umwerfende Gestaltungsmöglichkeiten und macht mir richtig viel Spaß. Nur eine Maschine scheint beschlossen zu haben, meine Geduld auf ihre Belastbarkeit zu prüfen. Zwischen sorgfältig ausgewählten Stoffen und erstaunlich widerspenstigen Nähten habe ich ein Spiel entdeckt, das man nur schwer nicht mögen kann.

Von Lars A. Cramer

Eigentlich klingt es ganz einfach: Stoff aussuchen, Schnittteile markieren, zuschneiden und anschließend alles zusammennähen. Am Ende steht ein Kleid, auf das man stolz sein kann. Zumindest war das mein Plan.

Nachdem ich herausgefunden hatte, wie die Stoffauswahl und die Vorbereitung funktionieren, fühlte ich mich jedenfalls bereit für den nächsten Schritt. Dann begegnete ich meinem persönlichen Endgegner: der Nähmaschine des Teufels.

Egal, wie vorsichtig ich vorging und wie ordentlich ich es versuchte – akkurat nähen wollte mir einfach nicht gelingen. Das brachte mich stellenweise durchaus an den Rand der Verzweiflung. Und trotzdem: Dressmaker ist ein wunderschönes Spiel.

Eine persönliche Geschichte hinter den Kleidern

Die Entstehung macht das Spiel für mich noch sympathischer. Dressmaker begann als gemeinsames Herzensprojekt von Jonathan Hau-Yoon und Sabrina Becker. Sabrina wollte beruflich Kostüme gestalten, musste diese Pläne jedoch aufgrund des Ehlers-Danlos-Syndroms aufgeben. Gemeinsam entwickelten die beiden die Idee, ihre Leidenschaft für das Schneiderhandwerk in einem Spiel zugänglich zu machen. Sabrina brachte dabei ihr Wissen über Kleidung und Kostümgeschichte ein. Aus dem kleinen Projekt wurde schließlich mit Unterstützung von Free Lives das Spiel des Labels Cozy Lives.

Für mich ist das ein berührender Hintergrund: Hier wurde eine persönliche Leidenschaft gemeinsam in etwas Neues verwandelt, das inzwischen auch andere Menschen kreativ werden lässt.

Gameplay: Vom Stoff zur eigenen Kreation

Was mir an Dressmaker besonders gefällt, ist der Weg zum fertigen Kleid. Ich wähle nicht einfach ein vorgegebenes Outfit aus, sondern beschäftige mich mit dem Material und seiner Verarbeitung.

Stoff auswählen, die Teile vorbereiten und zuschneiden: Schon diese Schritte geben der eigenen Gestaltung Gewicht. Das Ergebnis entsteht nach und nach. Genau darin liegt für mich ein großer Teil des Spielspaßes.

Die Möglichkeiten sind umwerfend. Unterschiedliche Stoffe, Schnitte und Verzierungen geben Raum für eigene Ideen. Laut Entwicklerangaben umfasst das Spiel mehr als 150 Schnittteile, über 450 Stoffe und mehr als 350 Accessoires. Entscheidend ist für mich aber weniger die Zahl als die kreative Freiheit, die dahintersteckt.

Nur beim Zusammennähen gerieten meine Vorstellungen und das tatsächliche Ergebnis gelegentlich ziemlich weit auseinander.

★★★★☆ – 4/5 Sterne.

Bedienung: Meine Nähte haben einen eigenen Willen

Die ersten Abläufe musste ich zunächst verstehen. Als Stoffauswahl, Markieren und Zuschneiden geklärt waren, ging es an den Teil, der mich wirklich herausforderte.

Ich wollte vorsichtig sein. Ich wollte sauber arbeiten. Ich wollte eine ordentliche Naht. Die Maschine und ich hatten dazu offenbar unterschiedliche Auffassungen.

Das ist mein persönlicher Stolperstein, kein Beweis für eine grundsätzlich fehlerhafte Steuerung. Allerdings bin ich mit der Herausforderung nicht allein: Auch die Rezension von The Punished Backlog beschreibt das Nähen als schwierig zu meistern.

Erfreulich ist deshalb die vorhandene Nähhilfe „Sewing Assist“, die sich in den Einstellungen aktivieren lässt. Sie unterstützt beim Ausrichten des Stoffes, während das Tempo weiterhin Aufmerksamkeit verlangt. Sie verspricht keine automatisch perfekte Arbeit, könnte aber genau die Entlastung sein, die Menschen wie ich an dieser Stelle brauchen.

Meine bisherigen Schwierigkeiten bleiben Teil meiner Bewertung. Die angebotene Hilfestellung gehört fairerweise ebenfalls dazu.

★★★☆☆ – 3/5 Sterne.

Technik: Eine schiefe Naht ist noch kein Programmfehler

Meine Probleme mit der Nähmaschine möchte ich nicht vorschnell als technischen Defekt auslegen. Dass mir eine Tätigkeit schwerfällt, sagt zunächst etwas über meinen Umgang mit ihr aus.

Zu Abstürzen, Bildraten oder anderen technischen Punkten liegen meinen hier geschilderten Erfahrungen keine konkreten Angaben zugrunde. Deshalb vergebe ich in dieser Kategorie keine eigenständige Note.

Das kreative System lässt beeindruckende Ergebnisse zu. Wie zuverlässig sämtliche Funktionen auf verschiedenen Rechnern arbeiten, ist damit aber noch nicht geprüft.

Technik: vorerst ohne separate Sternewertung.

Atmosphäre: Wunderschön bis in den letzten schiefen Stich

Dressmaker kommt zuckersüß daher. Die Gestaltung gehört für mich zu seinen größten Stärken und trägt wesentlich dazu bei, dass ich auch nach einer misslungenen Naht noch gerne weitermache.

Die Freude entsteht dabei nicht nur durch das fertige Kleid. Schon die Beschäftigung mit Farben, Stoffen und Formen hat ihren eigenen Reiz. Ich kann Ideen entwickeln und ihnen Stück für Stück Gestalt geben.

Wenn man zusätzlich die Entstehungsgeschichte kennt, bekommt diese kreative Freiheit eine persönliche Bedeutung. Das Spiel wird dadurch nicht automatisch besser – aber ich verstehe noch stärker, weshalb dieses Handwerk hier so viel Aufmerksamkeit erhält.

Meine Geduld mit der Nähmaschine mag begrenzt sein. Meine Begeisterung für die Gestaltung ist es deutlich weniger.

★★★★★ – 5/5 Sterne.

Story: Hinter jedem Auftrag steht ein Mensch

Im Spiel eröffnet ihr eine Schneiderei in Twillford. Die Kundschaft bringt nicht nur Wünsche für Kleider mit, sondern auch persönliche Geschichten. Dadurch erhalten die Aufträge einen Zusammenhang: Ein Kleid entsteht für jemanden und für einen bestimmten Anlass.

The Punished Backlog hebt besonders die unterhaltsamen Dialoge und die miteinander verbundenen Lebensgeschichten hervor. Für den Text zeichnet die Autorin Kerstin Hall verantwortlich.

Das ergänzt die kreative Tätigkeit um einen erzählerischen Anreiz. Meine Storywertung ist hier eine vorläufige redaktionelle Einordnung anhand der recherchierten Inhalte; sie ist kein Urteil über eine von mir vollständig abgeschlossene Handlung.

★★★★☆ – 4/5 Sterne.

Langzeitmotivation: Die nächste Idee wartet schon

Die Gestaltungsmöglichkeiten sind für mich der stärkste Grund, weiterzuspielen. Wenn so viele Kombinationen möglich sind, bietet ein fertiges Kleid zugleich einen Ausgangspunkt für die nächste Idee.

Dazu kommt der Wunsch, das Handwerk besser zu beherrschen. Meine misslungenen Nähte haben den Spaß schließlich nicht verdrängt. Ich finde das Spiel trotz dieser Schwierigkeiten wunderschön und seine kreative Vielfalt ausgesprochen reizvoll.

Ob jedes spätere Kleid denselben Reiz entfaltet, bleibt abzuwarten. Die bisherige Mischung aus Ausprobieren, Gestalten und Lernen trägt für mich aber sehr gut.

★★★★☆ – 4/5 Sterne.

Mein Fazit: Ein Herzensspiel mit widerspenstiger Nadel

Dressmaker verbindet eine berührende Entstehungsgeschichte mit einer wunderschönen kreativen Spielidee. Stoffe auswählen, Schnitte vorbereiten und eigene Kleider gestalten macht mir richtig viel Spaß.

Die Nähmaschine hat mich allerdings ordentlich herausgefordert. Wer ähnlich kämpft, sollte sich die Nähhilfe ansehen. Für mich bleibt trotz aller schiefen Stiche vor allem die Freude darüber, wie viel man in diesem Spiel gestalten kann.

Gesamtbewertung: ★★★★☆ – 4/5 Sterne.

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