Polaris 2026

Veröffentlicht am 15. Oktober 2026 um 22:06

POLARIS Convention 2026 – Wie Hamburg Creator und Convention zusammenbringt

von Lars A. Cramer · moin.fm

Am Freitag machte DoktorFroid auf der Hamburger Hauptbühne veganen Nudelsalat in einer Badewanne. Am Samstag stand für das Team die Charity-Auktion von „Loot für die Welt“ auf dem Programm, am Sonntag das große POLARIS-Verstecken. Dazwischen waren Paul und Olli an ihrem Stand für die Fans erreichbar. Wer DoktorFroid schon lange verfolgt, konnte die beiden also das ganze Wochenende über in unterschiedlichen Rollen erleben. Und wer zum ersten Mal vorbeikam, brauchte für den Einstieg denkbar wenig Vorwissen. Eine Badewanne voller Nudelsalat erklärt ihren Reiz ziemlich gut von selbst.

Genau damit überzeugt uns die POLARIS Convention auch im fünften Jahr. Vom 9. bis 11. Oktober 2026 kamen nach Veranstalterangaben über 55.000 Menschen in die Hamburger Messehallen. Mehr als 450 Aussteller, Marken und kreative Kollektive waren vertreten. Die eigentliche Leistung lag für uns in der Programmplanung: Die eingeladenen Creator brachten das mit, wofür ihr Publikum sie schätzt – ihren Humor, ihre Spiele, ihr handwerkliches Können. Und die POLARIS gab ihnen Formate, an denen auch Menschen Freude haben konnten, die ihnen bisher auf keinem Kanal gefolgt waren.

Vom Podcast auf die Bühne, von der Bühne an den Stand

Für „Offline + Ehrlich“ waren Trymacs, Sascha Hellinger und Varion mit einer Live-Ausgabe ihres Podcasts angekündigt. PietSmiet nahm sich auf der Main Stage gleich mehrere Weltrekordversuche vor. Die Rocket Beans brachten ihr Debattenformat „Alles Mögliche Fights“ mit, und bei „This is our World“ standen unter anderem Baso, JenNyan, KaddiTV, Bonjwa Leon und Papo auf der Bühne. In der Meet-&-Greet-Area gehörten CrispyRob, Katazuri, Razzortainment und Vik alias iBlali zu den Gästen.

Die Auswahl zeigt, warum das Hamburger Konzept trägt. Eine Debatte der Rocket Beans lebt davon, dass Argumente aufeinanderprallen. Bei PietSmiet will man sehen, ob der Versuch vor Publikum gelingt. Und eine Charity-Auktion bekommt ihren Sinn erst durch die Menschen, die mitbieten. Jedes dieser Formate gibt den Fans einen eigenen Grund, sich vor der Bühne zu versammeln. Dass dabei auch ein ernsthaftes Gespräch über die Arbeit im Netz Platz hatte, gefiel uns besonders: Auf der Content Creation Stage ging es unter anderem darum, worin sich die Arbeit von Influencer und Journalist unterscheidet und was das für Medienhäuser bedeutet.

Cosplay mit Kamera, Kostüm und einem gemeinsamen Fotowalk

Besonders anschaulich wurde die Verbindung von Onlinekultur und Convention beim Cosplay-Fotografen eosAndy. Auf der Content Creation Stage sprach er über Fotografie, Social Media und die Zusammenarbeit mit der Szene. Anschließend ging es zum Fotowalk. Wer eben noch zugehört hatte, konnte mit der Kamera in der Hand weiterlernen. Auch in der Cosplay Area war eosAndy für Aufnahmen zu finden. Für uns gehört das zu den besten Ideen des Wochenendes: Ein Creator teilt eine Fähigkeit, und die Besucher nehmen etwas für ihr eigenes Hobby mit nach Hause.

Beim großen Cosplay Contest gehörte die Hauptbühne den Kostümschaffenden. Farbenfuchs, Anaelic, Blink und Lara Wegenaer bildeten die Jury. Den Wettbewerb entschied trashqueencosplay mit einer Interpretation von Fire Lady Azula für sich. Was solche Auftritte persönlich bedeuten können, erzählte eine Cosplayerin dem NDR. Durch ihr Hobby habe sie so viel Selbstvertrauen gewonnen, dass sie sich heute annehmen könne, wie sie sei. Diese Stimme sagt über den Wert einer Convention mindestens so viel aus wie die Besucherzahl.

Anime, Artist Alley und ein Indie-Spiel mit echten Zügeln

Wer wegen Anime und japanischer Popkultur nach Hamburg kam, fand im Bereich Neo Taki unter anderem interaktive Anime-Quizze. Der Bereich griff die Städtepartnerschaft zwischen Hamburg und Osaka auf. Valdhaym wiederum brachte Artist Alley, Cosplay und Tabletop zusammen. So lagen Zeichnungen, Kostüme und Spieltische dort beieinander, wo man auch den Menschen hinter den Arbeiten begegnen konnte. Zum Anime-Programm gehörte außerdem eine Vorführung der ersten Folge der zweiten Staffel von „Cyberpunk: Edgerunners“ in deutscher Synchronfassung. Beim begleitenden Gespräch war mit Björn Schalla die deutsche Stimme des männlichen V aus Cyberpunk 2077 vertreten.

Für „moin.fm zockt“ war vor allem der Indie Arena Booth interessant. Dort präsentierten laut Vor-Ort-Bericht von Game2Gether 34 Studios ihre Spiele. Bei Media Circus übernimmt ein Eichhörnchen die Aufgabe, eine Zeitung auf die Beine zu stellen. Für Horses of Hoofprint Bay hatte das Team von Thogli Studios einen besonders passenden Controller mitgebracht: einen hölzernen Sattel, auf dem sich das Spiel über Zügel und Steigbügel steuern ließ. So ein Stand liefert einen guten Grund, ein unbekanntes Spiel auszuprobieren. Und er zeigt, warum zwischen den Auftritten bekannter Internetpersönlichkeiten unbedingt Raum für kleine Entwicklerteams bleiben sollte.

Eine App, die Menschen miteinander ins Gespräch bringt

Die POLARIS-App gab dem Rundgang durch die Hallen eine spielerische Aufgabe. Besucher konnten einen Avatar anlegen, auf dem Gelände QR-Codes suchen und dafür Erfahrungspunkte sammeln. Auch wer andere Fans als Freund hinzufügte, kam im Spiel voran. Besonders schön daran ist die Rückmeldung von Game2Gether: Das Redaktionsteam berichtet, dass gerade diese Funktion zu mehreren netten Gesprächen mit anderen Gästen geführt habe. Aus einer digitalen Kontaktanfrage wurde ein Anlass, jemanden neben sich anzusprechen.

Auch am Abend setzte sich das Programm in Hamburg fort. Neben Veranstaltungen im CinemaxX gehörten eine POLARIS Community Party und eine Cosplay-Party im XPERION zum Wochenende. Die nächste Ausgabe ist für den 8. bis 10. Oktober 2027 angekündigt.

Was andere Conventions von Hamburg lernen können, lässt sich für uns am besten an eosAndys Fotowalk erklären. Die POLARIS lud jemanden ein, dessen Bilder die Fans aus dem Netz kennen. Dann gab sie ihnen die Gelegenheit, gemeinsam mit ihm loszuziehen und eigene Bilder zu machen. So funktioniert die Verbindung von Influencern und Convention: Man kommt vielleicht wegen eines bekannten Gesichts. Was man später über diesen Tag erzählt, hat man selbst erlebt.

 

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