Utha-Menah - Die Vollendung der Menschheit

Veröffentlicht am 2. November 2026 um 23:39

Hoffnung zwischen den Trümmern einer verlorenen Welt

★★★★★ – 5 von 5 Sternen

Was bleibt von einer Zukunft, wenn die Welt bereits in Trümmern liegt – und ausgerechnet der Mensch fehlt, mit dem man sich ihr stellen wollte? „Utha-Menah – Die Vollendung der Menschheit“ knüpft an die Geschichte von Levi und Ash an und gibt ihrer Suche eine schmerzliche Ausgangslage: Die beiden wurden auseinandergerissen. Sandra Küsters verbindet damit das große Geheimnis ihrer dystopischen Welt mit einer unmittelbar verständlichen Sehnsucht. Levi will Ash wiederfinden. Zwischen den Fragen nach Vergangenheit und Zukunft steht der Wunsch, eine verlorene Verbindung zurückzugewinnen.

Der zweite Band führt in jene zerstörte Welt zurück, deren Überlebende zwischen den Metroplex-Städten und den gefährlichen Out-Zones existieren. Die verschwundenen Utha-Menah und ihr Vermächtnis bleiben dabei ein entscheidendes Rätsel. Für Levi geht die Suche gemeinsam mit Elaine, Gjimal und Jeremiah weiter. Die offizielle Inhaltsbeschreibung stellt Wahrheit, Hoffnung und eine mögliche Zukunft jenseits der Zerstörung in den Mittelpunkt. Ein persönliches Ziel führt damit mitten hinein in Fragen, die das Schicksal der Menschheit betreffen.

Besonders überzeugend an dieser Anlage ist die Bedeutung, die Ash durch ihre Abwesenheit erhält. Der Gedanke an einen vermissten Menschen verändert den Blick auf eine lebensfeindliche Umgebung. Jeder weitere Schritt bekommt einen Grund; jede Ungewissheit berührt etwas Persönliches. Für Levis Suche schafft das einen emotionalen Anker, der ohne aufwendige Erklärungen verständlich ist. Die zerstörte Welt erhält durch diesen Wunsch eine menschliche Dimension: Eine Zukunft muss auch Raum für diejenigen bieten, die einem etwas bedeuten.

Mit Elaine, Gjimal und Jeremiah stellt die angekündigte Handlung Levi zugleich Menschen an die Seite, mit denen er seinen Weg fortsetzt. Welche individuellen Entwicklungen diese Figuren durchlaufen, verrät der Klappentext nicht. Schon ihre Einbindung öffnet jedoch ein interessantes Spannungsfeld zwischen persönlicher Sehnsucht und gemeinsamem Handeln. Wie weit trägt das eigene Ziel, wenn andere Menschen auf derselben Reise eigene Hoffnungen mitbringen? Die Figurenkonstellation bietet dafür einen vielversprechenden Ausgangspunkt.

Eine besondere gedankliche Spannung liegt im Untertitel „Die Vollendung der Menschheit“. Das Wort „Vollendung“ klingt zunächst nach Erfüllung, nach dem Erreichen eines lange ersehnten Zustands. Im Zusammenhang mit einer zerstörten Welt erhält es einen beunruhigenden Beiklang. Wer bestimmt, wann die Menschheit vollendet ist? Welchen Platz hätten Fehler, Verletzlichkeit und individuelle Entscheidungen in einer solchen Vorstellung? Das sind mögliche Lesarten des Titels, die neugierig machen, ohne seine Bedeutung innerhalb der Handlung vorwegzunehmen.

Auch das Vermächtnis der Utha-Menah besitzt einen starken Reiz. Ihre Abwesenheit steht neben der fortdauernden Bedeutung dessen, was sie hinterlassen haben. Daraus ergibt sich eine grundlegende Frage: Wie selbstbestimmt kann eine Gesellschaft ihre Zukunft gestalten, wenn sie ihre eigene Vergangenheit nur unvollständig versteht? Levis Suche nach Antworten lässt sich vor diesem Hintergrund zugleich als Suche nach Orientierung lesen. Wissen verspricht hier die Möglichkeit, das eigene Leben und die Bedingungen seiner Welt besser zu begreifen.

Dass der Verlag ausdrücklich Hoffnung als Motiv benennt, ist angesichts dieses Szenarios besonders ansprechend. Die Vorstellung einer sterbenden Welt könnte jede Perspektive auf Veränderung verschließen. Die Suche nach einer Zukunft hält dagegen eine Möglichkeit offen. Darin liegt der emotionale Reiz der angekündigten Geschichte: Menschen suchen weiter, obwohl ihnen Gewissheit fehlt. Ihr Handeln setzt voraus, dass sie einer kommenden Zeit noch Bedeutung beimessen.

Für die Einordnung des Bandes ist der Zusammenhang mit „Die Rückkehr der Seelen“ wesentlich. „Die Vollendung der Menschheit“ führt die Geschichte derselben Hauptfiguren fort und baut seine Ausgangslage auf deren Trennung auf. Die Lektüre des ersten Bandes empfiehlt sich deshalb, um die Vorgeschichte und die Bedeutung der Verbindungen nachvollziehen zu können. Der zweite Teil verspricht eine Rückkehr zu offenen Fragen und vertrauten Figuren, deren Weg nun unter veränderten Voraussetzungen weitergeht.

Der besondere Reiz dieses Fortsetzungskonzepts liegt in der Verbindung von Verlust, Erkenntnissuche und Zukunftshoffnung. Die Frage nach dem Vermächtnis einer verschwundenen Macht bekommt durch Levis Suche nach Ash einen persönlichen Bezug. Zugleich lädt der Titel dazu ein, über Vorstellungen von Fortschritt und Menschlichkeit nachzudenken. Diese Verbindung macht „Utha-Menah – Die Vollendung der Menschheit“ zu einer vielversprechenden Fortsetzung für Leserinnen und Leser, die dystopische Abenteuer mit Fragen nach Herkunft, Bindung und Selbstbestimmung schätzen.

Sandra Küsters legt ihrem zweiten Band damit eine ansprechende Grundkonstellation zugrunde: Ein Mensch sucht nach einem anderen und zugleich nach Antworten in einer Welt, deren Zukunft ungewiss geworden ist. Darin steckt eine Hoffnung, die dem Endzeitszenario Gewicht verleiht. Solange Menschen einander suchen und sich eine gemeinsame Zukunft vorstellen können, bleibt Veränderung denkbar.

Buchdaten: Sandra Küsters · Band 2 · WaterProofCoast · erschienen am 4. Oktober 2025 · Taschenbuch, 352 Seiten · ISBN 9783689340025 · 14,00 €.

Kommentar hinzufügen

Kommentare

Es gibt noch keine Kommentare.