Europäische Taximesse 2026

Veröffentlicht am 6. November 2026 um 22:18

Europäische Taximesse 2026 – Ein Krimi, zwei Rapper und 93 Aussteller in Köln

Von der moin.fm-Redaktion 

Wer einen Roman namens „Der Tod fährt Taxi“ vorstellt, dürfte in Köln-Deutz sein aufmerksamstes Fachpublikum finden. Unser Chefredakteur Lars A. Cramer war mit seinem Buch auf der Europäischen Taximesse zu Gast und stellte sich und seinen Roman der Öffentlichkeit vor. Diesmal also ein Rollenwechsel für den Berliner Radiomann, der bei „moin.fm – Im Gespräch“ sonst selbst die Fragen stellt. Und was für ein Ort dafür! Wer sich hier für eine Taxigeschichte interessiert, hat womöglich selbst noch drei aus der letzten Nachtschicht beizutragen.

Wie viel es über diesen Beruf zu erzählen gibt, zeigt sich am 6. und 7. November in Halle 1 der Koelnmesse. 93 Aussteller meldet die veranstaltende Fachvereinigung Personenverkehr Nordrhein, mehr als ein Viertel davon kommt aus dem Ausland. Vor vier Jahren waren es 70 Aussteller, bei der vergangenen Ausgabe 80. In diesem Jahr ist die Halle ausgebucht. Der Eintritt ist frei, ausdrücklich eine schöne Gelegenheit auch für Menschen, die ein Taxi bislang vor allem von der Rückbank kennen.

Was einen guten Wagen zum guten Taxi macht

Ein lohnender Halt auf dem Rundgang ist die INTAX Taxi-Oase. Hier stehen unter anderem Modelle von Dacia, Renault, Hyundai, Kia und XPeng. Das Interessante am direkten Vergleich sind die Fragen, die man im gewöhnlichen Autohaus vermutlich selten stellt. Wie bequem steigt jemand ein, der auf einen Gehstock angewiesen ist? Wie viel Platz bleibt für Koffer? Und wo sitzt nach dem Umbau das Taxameter, damit der Fahrgast den Preis gut lesen kann? In der Taxi-Oase sind Fachleute ansprechbar, die solche Umbauten kennen. Ein paar Schritte weiter erzählen Taxi-Oldtimer mit ihren Fahrzeugen ein früheres Kapitel desselben Berufs. 

Hinter jeder Fahrt steckt außerdem Arbeit, die vom Rücksitz aus kaum jemand mitbekommt. Besonders anschaulich wird das am Beispiel einer regelmäßig gebuchten Krankenfahrt. Über die in Köln vorgestellte Plattform De-Touro können Betriebe Anfragen von Krankenkassen empfangen, einzelne Fahrten oder ganze Serien einplanen und anschließend die Abrechnung bearbeiten. Auch bei den KI-gestützten Lösungen für den Flottenalltag lohnt der Blick aufs Detail. So zeigt opta data im Rahmen seiner Kölner Anwenderkonferenz, wie eine Scan-App und KI beim Auslesen von Unterlagen helfen sollen. Für die Menschen in der Zentrale entscheidet sich der Wert solcher Technik an einer schlichten Frage: Wie oft müssen sie dieselben Angaben noch von Hand eintippen? 

Gut besuchte Vorträge über Fragen, die im Betrieb wirklich zählen

Eine der erfreulichsten Beobachtungen unseres Messebesuchs war der gute Zuspruch zum Vortragsprogramm. Im Tagungsraum 101 neben der Halle ging es am Freitag ziemlich genau um das, was Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Heimfahrt an ihren Schreibtischen wiederfinden. Thomas Grätz nahm die aktuellen Entwicklungen beim Personenbeförderungsgesetz in den Blick. Frank Shams stellte Software vor, mit der sich mögliche Verstöße gegen die Rückkehrpflicht von Mietwagen untersuchen lassen. Christian Hauck widmete sich der digitalen Bearbeitung von Konzessionsanträgen. Bei Edo Dieckmann ging es um technische Sicherheitseinrichtungen und die Erfahrungen der Genehmigungsbehörden damit.

Am Samstag, dem 7. November, bekommt eine Frage besonders viel Raum: Wie behauptet sich ein örtlicher Betrieb neben Uber und Bolt? Um 11 Uhr spricht Dr. Lars Maritzen über digitale Hilfsmittel im Umgang mit Uber. Von 12 bis 14 Uhr übernimmt Bernhard Linz mit einem zweiteiligen Vortrag samt Workshop. Sein zweites Thema dürfte gerade für kleinere Unternehmen interessant sein – wie sie ihr Angebot vor Ort bekannter machen können. Dass der Veranstalter dafür zwei Stunden einräumt, gefällt uns. Wer morgens Schulfahrten organisiert, mittags Menschen zur Behandlung bringt und nachts am Bahnhof bereitsteht, hat einiges anzubieten. Wie man das den Menschen in der eigenen Stadt vermittelt, verdient Zeit für ein Gespräch.

Von der Nachtschicht ans Mikrofon

Auf eine Premiere freuen wir uns als Musikredaktion besonders. Beggo & Blazup, zwei Taxifahrer aus dem bayerischen Aichach, stehen am Samstag erstmals auf dem Programm der Kölner Taximesse. Die Idee für ihr gemeinsames Musikprojekt kam ihnen während einer Nachtschicht. Beide machten bereits Musik, und den Stoff für ihre gemeinsamen Stücke lieferte ihnen der eigene Arbeitsplatz. Daraus entstand das Album „Taxi Stories Aichach“. Seine Geschichten reichen musikalisch von Hip-Hop über Popballaden bis zu Metal. Für ihre Liveshow hat das Team sogar ein eigenes Bühnenbild gebaut.

Auch aus dem Gewerbe selbst kommt Lob. Das Fachmagazin Taxi Times hebt den Wortwitz der beiden hervor, der Landesverband Bayerischer Taxi- und Mietwagenunternehmen nennt sie das „musikalische Gesicht der Branche“. In Köln spielen sie vor einem Publikum, das ihre Geschichten aus einer besonderen Perspektive hört: Viele im Saal wissen selbst, wie sich eine lange Schicht am Steuer anfühlt. Wer die beiden erleben möchte, sollte sich Samstag, 16.30 Uhr, im Kristallsaal vormerken. Ihr Auftritt eröffnet die Tombola. Zu gewinnen gibt es unter anderem einen BYD Seal Plug-in-Hybrid mit Taxivorrüstung. 

Was uns an dieser Taximesse besonders gefällt, ist der Platz, den sie den Leuten am Steuer lässt. Über ihre Arbeit wird in Köln fachkundig diskutiert. Mit Beggo & Blazup bekommen zwei von ihnen das Mikrofon, um selbst davon zu erzählen – in ihrem Ton und zu ihrem eigenen Beat. Und unser Chefredakteur konnte erleben, was für ein ungewöhnlicher Ort für eine Buchvorstellung eine Halle voller Menschen ist, für die der Titel „Der Tod fährt Taxi“ schon mit dem letzten Wort ein Heimspiel ankündigt.

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