BUCHBERLIN 2026: Viele Geschichten, persönliche Begegnungen und Fragen zur Außenwirkung
von Lars A. Cramer · moin.fm
Die BUCHBERLIN bot unabhängigen Verlagen, Autor und der Buchbranche erneut eine wichtige Plattform. Bei unserem Besuch wirkte sie allerdings überschaubarer als im Vorjahr. Ein persönlicher Eindruck, dem eine positive Veranstalterbilanz mit gestiegenen Besucherzahlen gegenübersteht.
Eine Buchmesse lebt von Geschichten – und von den Menschen, die sie schreiben, gestalten und zu ihren Leser bringen. Davon hatte die BUCHBERLIN auch 2026 einiges zu bieten. Am 31. Oktober und 1. November versammelten sich in der Arena Berlin zahlreiche Verlage, Autor und Ausstellende aus dem Umfeld der Buchbranche. Zwischen den Ständen gab es Gelegenheit, Bücher zu entdecken, direkt mit ihren Urheber ins Gespräch zu kommen und sich ein Bild von der Vielfalt unabhängigen Publizierens zu machen.
Unser erster Eindruck fiel dennoch zurückhaltender aus als im vergangenen Jahr. Die Messe erschien uns kleiner, die Gänge während unseres Besuchs deutlich übersichtlicher gefüllt. Das Gedränge, das wir vom Vorjahr in Erinnerung hatten, blieb aus. Dadurch entstand für uns zunächst das Bild einer ruhigeren Ausgabe.
Der persönliche Eindruck und die Gesamtbilanz unterscheiden sich
Zu einem fairen Rückblick gehört allerdings auch der Blick auf die veröffentlichten Zahlen. Nach der Veranstalterbilanz, über die das Börsenblatt am 4. November berichtete, verzeichnete die zwölfte BUCHBERLIN 5.500 Besucher und damit einen Zuwachs von zehn Prozent. Mehr als 300 unabhängige Verlage und Selfpublisher präsentierten sich auf einer nach Veranstalterangaben ausgebuchten Messe.
Unser Eindruck weniger stark gefüllter Gänge lässt sich deshalb nicht zu der Aussage verallgemeinern, die Veranstaltung habe insgesamt weniger Publikum angezogen. Ebenso wenig belegt er eine tatsächlich verkleinerte Ausstellungsfläche. Er beschreibt, wie wir die Messe während unseres Besuchs erlebt haben.
Auch die Terminwahl am Halloween-Wochenende warf für uns Fragen auf. War dieser Zeitpunkt günstig, um möglichst viele Menschen für einen Messebesuch zu gewinnen? Die Vermutung, dass andere Freizeitpläne mit der BUCHBERLIN konkurrierten, liegt nahe. Ob und in welchem Umfang dies tatsächlich eine Rolle spielte, lässt sich anhand der vorliegenden Informationen jedoch nicht feststellen. Einen Besucherrückgang wegen Halloween belegen die veröffentlichten Zahlen jedenfalls nicht.
Die Stärke liegt in den Entdeckungen
Unabhängig davon zeigte die BUCHBERLIN erneut, welchen Wert eine Plattform für kleinere Verlage und selbstveröffentlichende Autor haben kann. Die Auswahl bot reichlich Gelegenheit, sich auf Titel einzulassen, die im Alltag nicht zwangsläufig auf den großen Präsentationstischen des Buchhandels liegen.
Gerade darin liegt für uns ein wichtiger Reiz dieser Messe. Ein unbekannter Verlagsname kann neugierig machen, ein Cover zum Stehenbleiben einladen und ein Gespräch den Zugang zu einer Geschichte eröffnen. Die Möglichkeit, direkt mit den Menschen hinter einem Buch zu sprechen, gibt einem solchen Besuch eine persönliche Qualität.
Die von uns wahrgenommenen ruhigeren Gänge hatten dabei auch eine angenehme Seite: Es blieb Raum, sich umzusehen und die Angebote auf sich wirken zu lassen. Wie zufrieden die einzelnen Ausstellenden mit Verkäufen und Kontakten waren, lässt sich daraus allerdings nicht ableiten.
Mehr als Bücher auf Verkaufstischen
Zum Angebot gehörten auch branchenspezifische Stände und ein Begleitprogramm mit Talkrunden, Workshops und Fachvorträgen. Damit richtete sich die BUCHBERLIN sowohl an Leser als auch an Menschen, die selbst schreiben, veröffentlichen oder in der Buchbranche arbeiten.
Ein anschauliches Beispiel dafür war das angekündigte „Buchorchester“ der BücherFrauen. Das Projekt macht die unterschiedlichen beruflichen Tätigkeiten sichtbar, die zur Entstehung eines Buches beitragen. Solche Angebote erweitern den Blick über das fertige Werk hinaus und zeigen, wie viele Menschen und Arbeitsschritte hinter einer Veröffentlichung stehen.
Positive Rückmeldungen zum Veranstaltungsprogramm finden sich auch in der veröffentlichten Bilanz. Dort werden insbesondere die genrebezogenen Gesprächsrunden und die erstmals angebotenen 90-Sekunden-Buch-Speeddatings hervorgehoben. Messegründerin Steffi Bieber-Geske erklärte gegenüber dem Börsenblatt, das Speeddating-Konzept sei so gut angenommen worden, dass es fortgesetzt werden solle. Das ist ein erfreulicher Ansatz: Bücher erhalten eine kompakte Bühne, und Besucher können in kurzer Zeit auf neue Geschichten aufmerksam werden.
Wo bleiben die großen Verlage?
Eine Frage blieb für uns dennoch bestehen: Warum sind die großen Publikumsverlage auf dieser Berliner Messe nicht stärker sichtbar? Gerade die Bezeichnung als Deutschlands drittgrößte Buchmesse nach Frankfurt und Leipzig, die auch in der begleitenden Branchenkommunikation verwendet wird, weckt Erwartungen an die Breite des vertretenen Buchmarkts.
Dabei muss das Profil der Veranstaltung berücksichtigt werden. Die BUCHBERLIN stellt ausdrücklich unabhängige Verlage, Autor und Selfpublisher in den Mittelpunkt. Dass ihr Erscheinungsbild von diesen Ausstellenden geprägt wird, entspricht also ihrer Ausrichtung. Die Größenbezeichnung allein bedeutet nicht, dass hier dieselbe Zusammensetzung wie in Frankfurt oder Leipzig zu erwarten wäre.
Trotzdem halten wir die Frage nach einer stärkeren Beteiligung großer Verlagshäuser für berechtigt. Zusätzliche bekannte Namen könnten aus unserer Sicht Aufmerksamkeit schaffen und Menschen anziehen, die anschließend auch kleinere Verlage entdecken. Entscheidend wäre dabei, dass die unabhängige Szene ihren Platz und ihre Sichtbarkeit behält.
Warum einzelne große Häuser nicht teilnehmen, können wir ohne deren Stellungnahmen nicht beantworten. Es wäre unfair, daraus pauschal Desinteresse an Berlin oder an den Leser abzuleiten. Interessant wäre vielmehr, welche Formen der Beteiligung zum Konzept der BUCHBERLIN passen und ob die Veranstalter eine solche Erweiterung überhaupt anstreben.
Eine wichtige Plattform mit eigenem Charakter
Die BUCHBERLIN 2026 hinterließ bei uns einen gemischten, inhaltlich aber durchaus positiven Eindruck. Während die Veranstaltung bei unserem Rundgang kleiner und weniger belebt wirkte als im Vorjahr, meldeten die Verantwortlichen Wachstum. Beides gehört in diesen Rückblick: unsere Wahrnehmung vor Ort und die davon abweichende Gesamtbilanz.
Was unabhängig davon bleibt, ist die Vielfalt der vertretenen Verlage, Autor und Branchenangebote. Die BUCHBERLIN schafft Raum für Bücher, die entdeckt werden wollen, und für persönliche Begegnungen mit ihren Macher. Darin liegt ihre besondere Stärke.
Für die kommenden Ausgaben wünschen wir uns, dass diese Stärke noch sichtbarer nach außen getragen wird. Eine klare Kommunikation darüber, was das Publikum erwartet, erscheint uns dabei ebenso wichtig wie die Frage nach zusätzlichen Verlagspartnern. Denn Berlin bietet reichlich Potenzial für eine Buchmesse, die neugierig macht – auf bekannte Namen ebenso wie auf die Geschichte, von der man vor dem Besuch noch nie gehört hat.
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