Viele Tode und ein kleines bisschen Jugendliebe
Ein kleines, pelziges Wesen, eine märchenhafte Welt und Sprungpassagen, die meine Geduld ordentlich auf die Probe gestellt haben: Wir haben Demidoff Corp im Stream ausprobiert. Zwischen wachsender Verzweiflung und dem nächsten Bildschirmtod habe ich dieses charmante Abenteuer tatsächlich lieben gelernt.
Von Lars A. Cramer | Grundlage dieser Rezension ist unsere Spielerfahrung mit dem Playtest. Die Wertung bezieht sich auf diese Vorabfassung.
Es gibt Spiele, bei denen man irgendwann auf die Uhr schaut und sich fragt, weshalb man überhaupt noch weitermacht. Und dann gibt es Spiele, bei denen man schon wieder an einer Kletterpassage scheitert, kurz an sich selbst zweifelt – und trotzdem unbedingt den nächsten Versuch starten möchte. Demidoff Corp gehört für mich zur zweiten Sorte.
Wir haben das Spiel gemeinsam im Stream getestet. Wer dabei war, dürfte meine zeitweise wachsende Verzweiflung mitbekommen haben. Manche Klettersituationen wurden zu regelrechten Dauerschleifen aus Hoffnung, Absprung und Tod. Trotzdem ist mir dieses kleine, süße Abenteuer überraschend schnell ans Herz gewachsen. Vielleicht gerade deshalb, weil hinter den schwierigen Momenten eine Spielwelt steckt, in der ich mich schnell heimisch gefühlt habe.
Gameplay: Noch ein Versuch. Und noch einer.
Demidoff Corp verbindet Erkundung, Kämpfe und Plattformpassagen in einer von den Volkserzählungen des Urals inspirierten Welt. Das Grundprinzip hat mich schnell abgeholt. Ich wollte weiterkommen, mehr entdecken und herausfinden, was hinter dem nächsten Hindernis auf mich wartet.
Allerdings standen zwischen mir und dieser Entdeckerlust gelegentlich sehr hartnäckige Sprung- und Kletterpassagen. Dass ich dabei wiederholt das Zeitliche gesegnet habe, gehört zu unseren Stream-Erlebnissen inzwischen untrennbar dazu. Irgendwann war die Frage weniger, ob ich noch einmal sterbe, sondern eher, wie schnell.
Eine Herausforderung darf ein Spiel selbstverständlich bieten. Ich brauche keinen Spaziergang, bei dem jedes Hindernis beim ersten Anlauf verschwindet. Wenn sich einzelne Situationen aber so oft wiederholen, dass die Freude am Vorankommen kurzzeitig der Verzweiflung weicht, wünsche ich mir etwas mehr Feinschliff.
Gerade beim Hüpfen und Klettern sehe ich deshalb noch Verbesserungspotenzial. Ob jeder missglückte Versuch nun an mir oder an der jeweiligen Spielsituation lag, will ich gar nicht abschließend entscheiden. Für mein Spielerlebnis zählt: Hier könnte sich manches noch runder und weniger unerbittlich anfühlen.
Gameplay: ★★★☆☆ – 3/5 Sterne
Bedienung: Schnell verstanden, nicht immer leicht gemeistert
Was mir gut gefallen hat: Demidoff Corp fühlt sich für mich intuitiv an. Ich habe schnell einen Zugang zum Spiel gefunden. Zwischen „Ich verstehe, was ich tun möchte“ und „Es klappt tatsächlich“ lag bei einigen Sprüngen allerdings ein ziemlich tiefer Abgrund. Manchmal offenbar auch ganz wörtlich.
Für mich sind das zwei unterschiedliche Punkte. Der grundsätzliche Zugang funktioniert, während die praktische Umsetzung in bestimmten Plattformpassagen noch Frust erzeugt. Deshalb fällt meine Bewertung der Bedienung deutlich freundlicher aus als die des Gameplay-Flusses.
Dieses schnelle Hineinfinden hat viel dazu beigetragen, dass ich trotz aller Rückschläge drangeblieben bin.
Bedienung: ★★★★½ – 4,5/5 Sterne
Atmosphäre: Ein kleines Spiel mit großem Wohlfühlfaktor
Hier hat mich Demidoff Corp besonders erwischt. Trotz seiner Gefahren und meiner zahlreichen Todesfälle hat dieses kleine Abenteuer für mich etwas ausgesprochen Heimeliges. Ich habe mich schnell wohlgefühlt und eine Verbindung zu seiner Welt aufgebaut.
Dabei musste ich immer wieder an meine Jugend denken. Die liegt inzwischen schon ein paar Jahrzehnte zurück, aber dieses Gefühl war plötzlich wieder da: vor einem Spiel sitzen, an einer Stelle verzweifeln und trotzdem unbedingt wissen wollen, wie es weitergeht.
Das ist für mich eine der schönsten Qualitäten, die ein Spiel haben kann. Es muss dafür weder riesig sein noch ständig mit neuen Superlativen um Aufmerksamkeit kämpfen. Manchmal reicht ein Abenteuer, dessen Charme einen ganz selbstverständlich mitnimmt.
Atmosphäre: ★★★★½ – 4,5/5 Sterne
Story und Dialoge: Einfach, zugänglich und passend
Die Dialoge sind einfach gehalten, aber das meine ich ausdrücklich positiv. Sie passen für mich zum Spiel und erleichtern den Zugang zu seiner Welt. Nicht jedes Gespräch braucht große dramatische Gesten oder seitenlange Erklärungen, um seinen Zweck zu erfüllen.
Gerade diese unkomplizierte Art hat dazu beigetragen, dass ich mich schnell heimisch gefühlt habe. Die Gespräche lassen mich Teil des Abenteuers werden, ohne sich unnötig in den Vordergrund zu drängen.
Meine Wertung bezieht sich dabei auf das, was wir im Playtest kennenlernen konnten. Wie sich die gesamte Geschichte entwickelt und ob sie bis zum Ende trägt, bleibt der vollständigen Fassung vorbehalten.
Story und Dialoge im Playtest: ★★★★☆ – 4/5 Sterne
Technik: Hier bleibt die Wertung noch offen
Unser Stream war für mich in erster Linie eine Gelegenheit, das Spiel kennenzulernen. Eine systematische technische Untersuchung mit vergleichbaren Leistungswerten auf unterschiedlichen Rechnern war damit nicht verbunden.
Deshalb möchte ich an dieser Stelle keine vermeintlich präzise Techniknote vergeben. Meine Kritik an einzelnen Sprungpassagen ist zunächst eine Aussage über mein Spielerlebnis. Daraus lässt sich nicht automatisch ein technischer Fehler ableiten.
Technik: vorerst ohne Sternewertung
Langzeitmotivation: Ich wollte trotz allem weitermachen
Für den Playtest kann ich die wichtigste Frage ziemlich klar beantworten: Ja, ich wollte weiterspielen. Auch nach den Momenten, in denen meine Geduld bereits deutlich hörbar gelitten haben dürfte.
Diese Mischung aus Neugier, Vertrautheit und dem Wunsch, die nächste Hürde doch noch zu schaffen, hat für mich funktioniert. Demidoff Corp hat mich nicht nur kurzfristig beschäftigt, sondern mir Lust auf mehr gemacht.
Wie viele Stunden die Vollversion tragen wird und welchen Wiederspielwert sie bietet, lässt sich daraus noch nicht ableiten. Bewertet wird hier deshalb ausdrücklich die Motivation innerhalb der getesteten Fassung.
Motivation im Playtest: ★★★★☆ – 4/5 Sterne
Mein Fazit: Ich habe geflucht – und es lieben gelernt
Demidoff Corp hat mich im Stream stellenweise an den Rand meiner Geduld gebracht. Besonders beim Klettern und Hüpfen wünsche ich mir noch etwas Feinarbeit. Gleichzeitig habe ich dieses kleine Spiel wirklich lieben gelernt.
Es ist intuitiv zugänglich, seine einfachen Dialoge funktionieren, und seine Welt hat bei mir ein Gefühl ausgelöst, das sich schwer mit technischen Daten erklären lässt. Ich fühlte mich zurückversetzt in meine Jugend: scheitern, kurz verzweifeln, noch einmal versuchen – und dabei merken, wie sehr einem ein Spiel inzwischen ans Herz gewachsen ist.
Meine vorläufige Gesamtbewertung: ★★★★☆ – 4/5 Sterne
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