Animesse Babelsberg 2026

Veröffentlicht am 21. Juli 2026 um 22:02

Anime Messe Babelsberg 2026 – Wenn der ganze Filmpark zur Bühne wird

von Lars A. Cramer · moin.fm

Am Samstagabend führte ein Glücksdrache durch den Filmpark Babelsberg. Iki Iki Taiko begleiteten die Matsuri-Parade mit japanischen Trommeln, das Ziel war die Vulkanarena. Wer mitlaufen wollte, konnte sich dem Zug anschließen. Wer lieber das Finale sehen wollte, suchte sich vorher einen Platz in der Arena. Für uns steckt in dieser einen Programmidee schon viel von dem, was die Anime Messe Babelsberg vom 17. bis 19. Juli 2026 so gut gemacht hat. Selbst der Weg zur nächsten Bühne wurde Teil des Erlebnisses.

Drei Tage lang hatte die neunte Ausgabe im Potsdamer Filmpark genug zu bieten, um allein mit Konzerten ein Wochenende zu füllen. Gleichzeitig liefen Anime-Premieren mit Gästen aus den japanischen Studios, deutsche Synchronsprecher erzählten von ihrer Arbeit, Showgruppen brachten ganze Geschichten auf die Bühne, und auf der Matsuri-Straße konnte man bei einem Onigiri überlegen, wohin es als Nächstes gehen sollte. Konzerte, Shows, Kino, Workshops, Disco und der Eintritt zum Filmpark waren im Messeticket enthalten. So konnte man auch bei einem Act stehen bleiben, dessen Namen man vorher noch nie gehört hatte.

Von „One Piece“ bis Eurobeat – ein Wochenende für Anime-Musikfans

Für moin.fm war das Musikprogramm ein besonderer Grund, nach Babelsberg zu schauen. Kota Shinzato, vielen Fans durch One Piece vertraut, Diana Garnet, deren Stimme mit Naruto Shippuden verbunden ist, und mpi kamen im Rahmen der Summer of Japanese Music Tour nach Potsdam. Gerade bei mpi lohnte sich ein Blick auf die Planung. Der Sänger und langjährige musikalische Weggefährte von Hiroyuki Sawano, bekannt unter anderem aus Attack on Titan und Solo Leveling, hatte am Samstag die offene Vulkanarena und am Sonntag die Innenbühne mit Lichtshow. Wer sich zwischen zwei parallelen Programmpunkten entscheiden musste, bekam damit eine zweite Gelegenheit – und für Fans gleich zwei unterschiedliche Konzertkulissen.

Ähnlich gut war die Idee bei THE SIXTH LIE. Für die Tokioter Electro-Rocker um Sänger Arata und Gitarrist und Keyboarder Reiji war es die erste Rückkehr auf eine deutsche Bühne seit fast zehn Jahren. Für jeden Messetag hatte die Band eine andere Setlist angekündigt. Wer ihre Musik durch „Hibana“ aus Golden Kamuy oder „Shadow is the Light“ aus A Certain Scientific Accelerator entdeckt hatte, hatte also guten Grund, ein zweites Mal vorbeizuschauen. Dave Rodgers vertrat mit seinem Initial D-Programm den Eurobeat. ISCREAM NEVER GROUND, GENKIDAMA, das japanische Idol Aizawa Hitomi und die VTuberin Lyria gaben dem Wochenende weitere, sehr unterschiedliche Stimmen.

Einen der schönsten Berichte vom Freitag lieferte die Redaktion von AniNews. Bei Petra und Julia Scheeser trafen vertraute Anime-Lieder auf Disney-Songs, die Julia selbst eingesungen hat. Die Redaktion zählte das Konzert zu ihren persönlichen Höhepunkten und schilderte die begeisterte Stimmung im Saal. Anschließend blieb Zeit für Autogramme. Später übernahmen DJ Shen und DJ KERN_BRECHER die J-Disco, für die der Festsaal bis ein Uhr nachts eingeplant war.

Auch musikalisch abseits der großen Namen gab es einiges zu entdecken. Das Cellotic Soundtrack Ensemble brachte bekannte Themen in Konzertfassungen in den Festsaal. Harmoonics standen mit Moonlight Memories and Nostalgic Dreams im Programm, Khio mit Supernatural, CharliChan mit Anime-Songs. ENMA, Kazama, Shinigami und Leashady teilten sich die Bühne für Anime-Rap. Dom the Poet machte ausgerechnet das Conventionleben selbst zum Gegenstand seines Musicals. Wer lieber Chorgesang hörte, konnte beim Vokalensemble Sakura vorbeischauen. Zwischen diesen Auftritten lagen mitunter nur ein paar Schritte durch den Park.

Drei Anime-Premieren und die Menschen hinter den Bildern

Einen besonderen Platz im Programm verdiente das japanische Animationsstudio MAHO FILM. Die Animatorinnen Yuko Oba und Manami Inose brachten zwei Produktionen mit. Am Freitag stand The World’s Strongest Rearguard im Festsaal auf dem Programm. Am Samstag folgte The Insipid Prince’s Furtive Grab for the Throne. Zu den Vorführungen gehörten Gespräche über die Entstehung der Serien und Autogrammstunden. Für Fans war das eine seltene Gelegenheit, eine frisch gesehene Szene noch im Kopf zu haben und direkt danach eine Frage an die Menschen zu richten, die an ihr gearbeitet haben.

Eine weitere Premiere war „Hanaori-san Still Wants to Fight in the Next Life“. Mit Hideyo Yamamoto war der Regisseur zu Gast, dessen Arbeit viele bereits durch Strike the Blood oder Cells at Work! CODE BLACK kannten. Zum japanischen Gästeaufgebot gehörten außerdem Haruka Yabu von Pony Canyon und Yuya Ogisu von LIDENFILMS. Wer zwischen den großen Präsentationen einfach Anime schauen wollte, fand im eigenen Kino unter anderem Bocchi the Rock! im japanischen Original mit Untertiteln.

Auch die deutsche Synchronbranche war an allen drei Tagen vertreten. Lisa Dzyadyk und Amira Leisner standen das ganze Wochenende auf der Gästeliste. Hinzu kamen Jana Dunja Gries, Amina Gaede, Bojan Havic, Jermain Meyer, Malte Meibauer, Lara Schmidt und Cindy Kepke sowie Aufnahmeleiter Yuuto. Gerade bei Malte Meibauer dürften Fans sehr verschiedener Serien dieselbe Stimme wiedererkannt haben – als Jinshi in Die Tagebücher der Apothekerin, als Sein in Frieren oder als Victor in Yuri!!! on Ice. Panels und Signierstunden gaben diesen Begegnungen mehr Raum als ein kurzer Auftritt zur Eröffnung.

Wenn Fans selbst Theater machen

Zu einem guten Conventionprogramm gehören für uns die Gruppen, die aus einer Geschichte, die sie lieben, ein eigenes Bühnenstück entwickeln. In Babelsberg reichte das von Clueless mit Professor Layton und der Schatten des Hades über Misemono mit Delicious in Dungeon bis zu Shabu Shabu mit der Majin-Boo-Saga aus Dragon Ball Z. Otakus Live nahmen sich Vox Machina vor, LokiDoki brachten Dungeons und Demonlords mit. Hey, Listen!, die Idolgruppe Kuchisabishii und Tian Mo mit einer Gameshow ergänzten das Angebot. Für ein Fanprojekt wie das von Clueless war dabei schon der Spielort etwas Besonderes. Das selbst entwickelte Professor-Layton-Abenteuer bekam am Sonntagvormittag die Vulkanarena.

Japanische Kultur war auch dort präsent, wo gerade kein Anime auf einer Leinwand lief. Das Esaka Dojo demonstrierte Iaidō, die Kunst des Schwertziehens. Kokugikan Berlin stellte Kendō vor. Auf der Event-Stage wechselten sich ein Kimono-Programmpunkt, Anime-Quiz, Cosplay-Talk und ein Nudelschlürfwettbewerb ab. Bei „Zeig mal dein Cosplay“ konnten Besucher mit dem eigenen Kostüm auf die Bühne. Draußen boten die Filmkulissen anschließend Platz für Fotos. So kamen sowohl diejenigen zum Zuge, die gern vor Publikum auftreten, als auch jene, die ihr aufwendig gearbeitetes Kostüm in Ruhe fotografieren wollten.

Von der Matsuri-Straße bis zur Bootsfahrt nach Panama

Zwischen den Bühnenterminen konnte der Tag in Babelsberg eine ganz andere Richtung nehmen. Auf der Matsuri-Straße gab es japanische Jahrmarktspiele, bei denen sich Gewinnchips gegen Preise eintauschen ließen. Zum Essen gehörten Onigiri, Ramen und Dango. Dazu kamen Künstler- und Händlerstände, Gaming, Bring & Buy, Workshops und Fotomotive im Park. Für den Gebrauchtverkauf und das Gildensystem hatte das Team vorab neue Online-Angebote eingerichtet. Der finale Zeitplan und ein Programmheft mit Lageplan waren ebenfalls vor dem Wochenende verfügbar. Bei so vielen parallelen Angeboten ist das ein kleines, aber entscheidendes Stück Planung.

Familien konnten eine Westernshow besuchen, in der Mittelalterstadt Gold schürfen, den Spielplatz nutzen oder in der Panama-Welt eine Bootsfahrt machen. Im Erfahrungsbericht von AniNews fiel das Urteil zur Familientauglichkeit entsprechend positiv aus. Die Redaktion hob außerdem hervor, dass sich die Menschen auf dem weitläufigen Gelände gut verteilten. Wer eine Weile aus dem Konzerttrubel herauswollte, konnte also im selben Park bleiben und gemeinsam etwas ganz anderes unternehmen.

Was MEX und MMC aus Babelsberg mitnehmen können

Für uns liefert die Anime Messe Babelsberg gerade bei Ausgestaltung und Programmplanung Anregungen für Veranstaltungen wie die MEX oder die MMC. Das lässt sich sogar ohne Vulkanarena umsetzen. Ein internationaler Gast bekommt zwei unterschiedlich gestaltete Auftritte. Eine Showgruppe aus der Szene erhält einen guten Platz auf der großen Bühne. Auf eine Premiere folgt das Gespräch mit den Kreativen. Und wer sich beim Programm zunächst für etwas anderes entscheidet, hat bei mehreren Gästen später noch einmal die Gelegenheit, sie zu erleben. Gerade diese Entscheidungen machen den Unterschied zwischen einer langen Gästeliste und einem gelungenen Conventiontag.

Das stärkste Bild dieses Wochenendes bleibt für uns deshalb der Glücksdrache am Samstagabend. Ein einzelner Taiko-Auftritt hätte schon einen guten Programmpunkt ergeben. In Babelsberg machten die Trommler daraus gemeinsam mit dem Publikum einen Zug durch den Filmpark. Wer wissen möchte, was wir uns unter einer liebevoll gestalteten Anime-Convention vorstellen, findet hier eine ziemlich schöne Antwort.

 

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