Ist Japan , speziell Tokyo gefährlich?

Veröffentlicht am 26. Januar 2026 um 21:43

Tokios „rauer“ Norden: Warum Adachi trotz sinkender Kriminalität als unsicher gilt

Tokio. Ein junges Paar steht an einem Wintertag vor einem Maklerbüro nahe Takenotsuka Station (Adachi Ward) und prüft Wohnungsangebote. Der Grund: Die Gegend gilt als vergleichsweise günstig. Gleichzeitig hält sich hartnäckig der Ruf, Adachi – besonders rund um Unterhaltungs- und Ausgehviertel – sei „schmuddelig“ und nachts unsicher. Vor Ort wirkt es für die beiden jedoch „wie jedes andere Viertel“.

Tatsächlich zeigen Polizeidaten seit Jahren ein anderes Bild: Die Kriminalität in Adachi ist seit dem Höchststand Anfang der 2000er deutlich zurückgegangen, auch wenn die Zahlen nach der Pandemie wieder leicht anzogen. Der Rückgang folgt einem landesweiten Trend. Trotzdem bleibt das Sicherheitsgefühl vieler Menschen niedrig – ein Phänomen, das Behörden als taikan chian bezeichnen: die subjektive Wahrnehmung von Sicherheit, die häufig von Statistiken abweicht.

Auch städtebaulich steckt Takenotsuka im Wandel. Nach einer Renovierung präsentiert sich der Bahnhof mit neuem Shopping-Komplex; Marken wie Starbucks und Muji stehen für Aufwertung. Nur wenige Minuten entfernt prägen jedoch ältere Gebäude, Bars und Restaurants das Bild – viele betrieben von der lokalen philippinischen Community sowie zunehmend von chinesischen Zuwanderern. Diese Mischung aus „alter“ Straßenkulisse, Nachtleben und sichtbarer Migration trägt laut Beobachtern dazu bei, dass das Image als Problemgegend weiterlebt.

Eine Umfrage der Verwaltung unterstrich die Diskrepanz: Rund 68% der Befragten bewerteten die Sicherheit in Takenotsuka schlecht – besonders Menschen zwischen 20 und 40 Jahren sowie Neu-Zugezogene. Langjährige Bewohner fühlen sich dagegen oft sicherer und verweisen auf den realen Rückgang von Straftaten.

Landesweit ist der Trend ähnlich: Nach dem Peak von rund 2,85 Millionen registrierten Straftaten (2002) fielen die Zahlen bis 2021 auf etwa 560.000. Seitdem steigen sie wieder moderat; 2024 wurden 737.679 Fälle gezählt. Als Treiber gelten die Rückkehr des öffentlichen Lebens nach COVID-19, neue Betrugsformen und Veränderungen durch die Alterung der Gesellschaft. Gleichzeitig sinkt die Jugenddelinquenz seit Jahren, nicht zuletzt wegen der schrumpfenden Zahl junger Menschen.

Sichtbar ist aber auch, wie stark Social Media, zugespitzte Berichterstattung und Betrugswellen – etwa über „ore-ore“-Telefontricks oder über „yami baito“ (über soziale Medien angeworbene „dunkle Nebenjobs“, die in Betrug und Raub münden können) – Ängste verstärken. Forschende sprechen von Echo-Kammern: Negative Ereignisse verbreiten sich schnell, positive Entwicklungen kaum.

Um dem entgegenzuwirken, setzt Adachi auf Begegnung und Aufwertung: Mit dem 2023 eröffneten Café- und Community-Hub „Mintopo“ nahe dem Bahnhof sollen Austausch, Veranstaltungen und Beteiligung von Anwohnern das Miteinander stärken – und langfristig auch den Ruf des Viertels verändern. Gleichzeitig zieht die Gegend weiter Menschen an, die in Tokios teurem Wohnungsmarkt vor allem eines suchen: bezahlbare Mieten bei guter Anbindung.

Tokios „rauer“ Norden: Warum Adachi trotz sinkender Kriminalität als unsicher gilt

Tokio. Ein junges Paar steht an einem Wintertag vor einem Maklerbüro nahe Takenotsuka Station (Adachi Ward) und prüft Wohnungsangebote. Der Grund: Die Gegend gilt als vergleichsweise günstig. Gleichzeitig hält sich hartnäckig der Ruf, Adachi – besonders rund um Unterhaltungs- und Ausgehviertel – sei „schmuddelig“ und nachts unsicher. Vor Ort wirkt es für die beiden jedoch „wie jedes andere Viertel“.

Tatsächlich zeigen Polizeidaten seit Jahren ein anderes Bild: Die Kriminalität in Adachi ist seit dem Höchststand Anfang der 2000er deutlich zurückgegangen, auch wenn die Zahlen nach der Pandemie wieder leicht anzogen. Der Rückgang folgt einem landesweiten Trend. Trotzdem bleibt das Sicherheitsgefühl vieler Menschen niedrig – ein Phänomen, das Behörden als taikan chian bezeichnen: die subjektive Wahrnehmung von Sicherheit, die häufig von Statistiken abweicht.

Auch städtebaulich steckt Takenotsuka im Wandel. Nach einer Renovierung präsentiert sich der Bahnhof mit neuem Shopping-Komplex; Marken wie Starbucks und Muji stehen für Aufwertung. Nur wenige Minuten entfernt prägen jedoch ältere Gebäude, Bars und Restaurants das Bild – viele betrieben von der lokalen philippinischen Community sowie zunehmend von chinesischen Zuwanderern. Diese Mischung aus „alter“ Straßenkulisse, Nachtleben und sichtbarer Migration trägt laut Beobachtern dazu bei, dass das Image als Problemgegend weiterlebt.

Eine Umfrage der Verwaltung unterstrich die Diskrepanz: Rund 68% der Befragten bewerteten die Sicherheit in Takenotsuka schlecht – besonders Menschen zwischen 20 und 40 Jahren sowie Neu-Zugezogene. Langjährige Bewohner fühlen sich dagegen oft sicherer und verweisen auf den realen Rückgang von Straftaten.

Landesweit ist der Trend ähnlich: Nach dem Peak von rund 2,85 Millionen registrierten Straftaten (2002) fielen die Zahlen bis 2021 auf etwa 560.000. Seitdem steigen sie wieder moderat; 2024 wurden 737.679 Fälle gezählt. Als Treiber gelten die Rückkehr des öffentlichen Lebens nach COVID-19, neue Betrugsformen und Veränderungen durch die Alterung der Gesellschaft. Gleichzeitig sinkt die Jugenddelinquenz seit Jahren, nicht zuletzt wegen der schrumpfenden Zahl junger Menschen.

Sichtbar ist aber auch, wie stark Social Media, zugespitzte Berichterstattung und Betrugswellen – etwa über „ore-ore“-Telefontricks oder über „yami baito“ (über soziale Medien angeworbene „dunkle Nebenjobs“, die in Betrug und Raub münden können) – Ängste verstärken. Forschende sprechen von Echo-Kammern: Negative Ereignisse verbreiten sich schnell, positive Entwicklungen kaum.

Um dem entgegenzuwirken, setzt Adachi auf Begegnung und Aufwertung: Mit dem 2023 eröffneten Café- und Community-Hub „Mintopo“ nahe dem Bahnhof sollen Austausch, Veranstaltungen und Beteiligung von Anwohnern das Miteinander stärken – und langfristig auch den Ruf des Viertels verändern. Gleichzeitig zieht die Gegend weiter Menschen an, die in Tokios teurem Wohnungsmarkt vor allem eines suchen: bezahlbare Mieten bei guter Anbindung.


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